Was gegen Betrugsanrufe hilft — und was nur beruhigt
Es gibt genug Seiten, die die Maschen aufzählen. Diese hier beantwortet die Frage danach: Welche Gegenmaßnahme leistet was – und wo hört sie auf?
Die Maschen, in einem Absatz
Enkeltrick, Schockanruf, falscher Polizist, falscher Bankmitarbeiter, Gewinnversprechen. Der Ablauf ist immer derselbe: ein Fremder ruft an, erzeugt Zeitdruck und eine Emotion, und verlangt eine Handlung, die sich nicht rückgängig machen lässt. Inzwischen auch mit nachgemachten Stimmen.
Wer das ausführlich nachlesen will, ist bei der Polizei besser aufgehoben als bei mir – dort steht es aktuell, geprüft und mit Zahlen: polizei-beratung.de und die Bundesnetzagentur zu unerlaubter Telefonwerbung. Ich schreibe das nicht nach.
Was jede Maßnahme leistet, und wo sie versagt
| Maßnahme | Was sie leistet | Wo sie aufhört |
|---|---|---|
| Codewort in der Familie | Entlarvt den falschen Enkel sofort, kostet nichts, braucht keine Technik. | Muss im Moment der Überraschung erinnert werden. Genau darauf zielt der Anruf. |
| Auflegen und selbst zurückrufen | Wirkt in fast allen Fällen. Der beste Einzelrat, den es gibt. | Setzt voraus, dass man misstrauisch geworden ist. Wer es nicht wird, ruft nicht zurück. |
| Gar nicht mehr abheben | Wirkt sofort und vollständig. | Man ist nicht mehr erreichbar. Für viele ältere Menschen ist das Telefon der letzte verlässliche Draht nach draußen. |
| Sperrliste (Rufsperre, tellows, PhoneBlock) | Sehr gut gegen Werbung, Umfragen und automatische Wählsysteme. Kostenlos zu haben. | Kennt nur, was schon gemeldet wurde. Die frische Nummer kommt durch – und der Enkeltrick ruft selten zweimal von derselben. |
| Nur bekannte Nummern durchlassen | Lückenlos gegen alles Fremde. | Sperrt Arztpraxis, Handwerker, Labor und Behörde aus. Wird deshalb nach ein paar Wochen wieder abgeschaltet. |
| Anrufer-Screening (PhoneWall) | Wirkt beim ersten Anruf einer unbekannten Nummer, ohne jemanden auszusperren. Nimmt dem Anruf die Überraschung. | Eine gefälschte bekannte Nummer kommt durch. Und es prüft nicht, ob jemand lügt. |
| Erkennung im laufenden Gespräch | Könnte auch den Anruf einer bekannten Nummer entlarven. | Muss dafür mithören und das Gesprochene verarbeiten. Das ist ein erheblicher Eingriff und rechtlich heikel. |
Die vorletzte Zeile steht bewusst so da. Wer eine Nummer aus dem Telefonbuch fälscht, kommt an einer Anrufprüfung vorbei. Alles andere wäre gelogen, und eine Schutzmaßnahme, über deren Grenzen man nicht redet, ist eine schlechte.
Die Maßnahmen schließen einander nicht aus
Die Tabelle liest sich wie eine Auswahl, ist aber keine. Eine Sperrliste und eine Rückfrage decken verschiedene Fälle ab: Die Liste räumt den Massenanruf ab, bevor er überhaupt in die Prüfung kommt. Die Rückfrage fängt den ab, den noch niemand gemeldet hat.
Und das Codewort bleibt richtig. Es ist die einzige Maßnahme, die auch dann noch trägt, wenn die Nummer stimmt.
Häufig gefragt
Was ist der Unterschied zwischen Enkeltrick und Schockanruf?
Beim Enkeltrick gibt sich jemand als Verwandter aus und bittet um Geld. Beim Schockanruf wird eine Notlage erfunden – ein Unfall, eine Festnahme – und sofort eine Kaution oder Zahlung verlangt. Technisch ist es derselbe Anruf: ein Fremder, der Zeitdruck erzeugt.
Hilft eine Sperrliste gegen Enkeltrick?
Kaum. Eine Sperrliste kennt nur Nummern, die schon jemand gemeldet hat. Der Enkeltrick ruft selten zweimal von derselben Nummer an. Gegen Werbung und automatische Wählsysteme hilft sie gut.
Warum wird geraten, einfach aufzulegen?
Weil es wirkt. Wer auflegt und selbst zurückruft – unter der Nummer, die er kennt, nicht unter der, die genannt wurde – verhindert den Schaden in fast allen Fällen. Der Rat ist gut. Er setzt nur voraus, dass man im Moment des Anrufs daran denkt.
Kann Technik einen Betrüger erkennen?
Eine Anrufprüfung erkennt keine Absicht. Sie stellt eine Frage, bevor durchgestellt wird, und nimmt dem Anruf damit die Überraschung. Es gibt Ansätze, die im laufenden Gespräch mithören und warnen wollen – die müssen dafür aber das Gespräch verarbeiten.
Was mache ich, wenn es schon passiert ist?
Sofort die Polizei über 110 verständigen und die Bank informieren. Bei Überweisungen zählt jede Minute. Sich zu schämen ist die häufigste und die teuerste Reaktion.